3 häufige Fehler beim Gehen. Weißt du, wie du gehst?
Gehen ist für uns so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken. Dabei hat auch diese scheinbar einfache Bewegung ihre „Regeln“ – und wenn wir sie langfristig missachten, meldet sich der Körper früher oder später, etwa durch Schmerzen in Füßen, Knien oder Rücken.
Fehlgewohnheiten erkennen wir oft nicht, weil sie nicht sofort Schmerzen verursachen. Häufig sind es kleine Dinge, die sich bei jedem Schritt unauffällig wiederholen – und genau diese können mit der Zeit problematisch werden. Welche gehören zu den häufigsten?
1. Zu lange Schritte
Der Fuß landet weit vor dem Körper, statt sich natürlich darunter zu bewegen. Dadurch bremst jeder Schritt leicht die Vorwärtsbewegung.
Das führt zu
- höherem Aufprall beim Auftreten
- stärkerer Belastung der Knie
- weniger fließender Bewegung
So erkennst du es
- du hast das Gefühl, dich beim Gehen auszubremsen
- der Schritt ist härter und weniger flüssig
Was hilft
- achte darauf, ob dein Fuß weit vor dir oder eher unter deinem Körper landet
- stell dir vor, dich zieht jemand sanft „am Brustkorb nach vorne“ – der Körper kommt über den Schritt
- geh langsamer und verkürze deinen Schritt für ein paar Schritte bewusst – nicht mit Kraft, sondern mit Gefühl
- beobachte, ob dein Schritt leiser und fließender wird
Zusammenhang zwischen Schrittlänge und Belastung von Knie und Ferse
Erklärt von Physiotherapeutin Zuzana Spitzerová:
„Je länger der Schritt, desto größer ist der Aufprall auf die Ferse. Da das Knie dabei vollständig gestreckt ist, kann es den Stoß schlechter abfangen.
Wenn wir den Schritt verkürzen und näher am Körperschwerpunkt aufkommen, trifft die Ferse weniger stark auf.
Außerdem fällt es leichter, das Knie leicht gebeugt zu halten, wodurch der Stoß besser gedämpft wird.
Neben der Schrittlänge spielen auch andere Faktoren eine Rolle, etwa die Stabilität der Knie, der aktive Abdruck über die Zehen und die Arbeit in der Hüfte.“
2. Inaktive Zehen und Füße
Der Fuß ist keine Fläche, die sich einfach auf den Boden legt. Beim Gehen sollte er arbeiten. Wenn die Zehen inaktiv bleiben und sich nicht am Abdruck beteiligen, verliert der Fuß an Stabilität und Kraft.
Das führt zu
- geringerer Stabilität beim Auftreten
- schwächerem Abdruck
- höherer Belastung anderer Körperbereiche
Warum das passiert
- langfristiges Tragen enger Schuhe – wenn Schuhe die Zehen einschränken, hört der Körper auf, sie zu nutzen, und das überträgt sich auf den Gang
- der Fuß ist es nicht gewohnt, aktiv zu arbeiten – meist wird er vom Schuh „geführt“
- die Zehen verlieren nach und nach an Kraft, weil wir sie im Alltag kaum einsetzen
Was hilft
- achte beim Gehen darauf, ob sich deine Zehen beim Abdruck leicht spreizen oder angespannt bleiben
- versuche für ein paar Schritte, dich sanft über den großen Zeh abzudrücken (nicht mit Kraft, sondern bewusst)
- geh zu Hause barfuß und prüfe, ob du deine Zehen spreizen und dich auf ihnen abstützen kannst
- oft reicht es, den Zehen mehr Platz zu geben – etwa in Barfußschuhen – und der Fuß beginnt wieder aktiv zu arbeiten
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Du fängst gerade erst mit Barfußschuhen an? |
Welche Rolle spielen die Zehen bei Stabilität und Abdruck?
Antwort von Physiotherapeutin Zuzana Spitzerová:
„Die Zehen spielen sowohl für die Stabilität als auch beim Abdruck eine entscheidende Rolle. Durch ihr Spreizen vergrößert sich die Auflagefläche, und damit auch die gesamte Stabilität. Das reine Spreizen reicht jedoch nicht aus – sie müssen auch aktiv eingesetzt werden.
Beim Abdruck ist aus biomechanischer Sicht der große Zeh am wichtigsten. Er beeinflusst maßgeblich die Effizienz der Muskelarbeit im Hüftbereich bei der Streckung. Entscheidend ist daher die richtige Ausrichtung des großen Zehs und die Funktion des ersten Strahls. Ein Hallux valgus kann diese Funktion beispielsweise beeinträchtigen.“
Laut der Physiotherapeutin erkennt ein Laie eine falsche Nutzung der Zehen beim Gehen nur schwer. Hinweise können jedoch Probleme wie Spreizfuß, Druckstellen oder Schmerzen im Vorfußbereich sein.
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Lerne, deine Zehen einzusetzen „Wenn du beginnen möchtest, deine Zehen bewusst beim Abdruck einzusetzen, ist es sinnvoll, in der Statik zu starten.
Wenn du diese grundlegenden Positionen beherrschst, kannst du schrittweise in die Bewegung übergehen und lernen, die Zehen auch beim Gehen oder Laufen einzusetzen,“ ergänzt die Physiotherapeutin. |
3. Harter Auftritt (unnötiger Stoß)
Ein weiterer häufiger Fehler betrifft nicht, wo du auftrittst, sondern wie. Der Schritt ist laut, hart und ohne natürliche Dämpfung. Der Körper muss den Stoß dann weiter oben abfangen – in den Knien, Hüften oder im Rücken.
Das führt zu
- Überlastung der Gelenke
- schnellerer Ermüdung beim Gehen
- weniger fließender Bewegung
So erkennst du es
- du hörst deine Schritte
- dein Gang wirkt schwer oder hart
- du wirst schneller müde
Was hilft
- achte darauf, ob du deine Schritte hörst – je leiser, desto besser wird der Stoß gedämpft
- geh für ein paar Schritte langsamer und beobachte, ob du den Auftritt weicher gestalten kannst, statt ihn „aufzusetzen“
- stell dir vor, dass du nicht in den Boden trittst, sondern dich fließend darüber bewegst
- wenn du sehr schnell gehst, verlangsame dein Tempo – harter Auftritt hängt oft damit zusammen
Physiotherapeutin erklärt, wie du einen richtigen Auftritt erkennst
„Beim Gehen kommt es bei den meisten Menschen zum Auftreten über die Ferse. Dieser sollte jedoch weich und kontrolliert sein – kein harter Aufprall vor dem Körperschwerpunkt.
Wichtig ist, dass sich nach dem Fersenkontakt der gesamte Fußmechanismus nach und nach einschaltet – eine fließende Gewichtsverlagerung über den Mittelfuß bis zum großen Zeh, der den finalen Abdruck übernimmt. Diese Abfolge ermöglicht eine korrekte Muskelarbeit, effiziente Kraftübertragung und ein gutes Timing in der gesamten Bewegungskette.
Ein gesunder Auftritt hängt also nicht nur davon ab, womit du auftrittst, sondern vor allem wie und wo – idealerweise möglichst nah unter dem Körperschwerpunkt, ohne unnötiges Bremsen und mit einem fließenden Übergang in den Abdruck.
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Beim Laufen: |
Wie Schuhe deinen Gang beeinflussen
Schuhe können deinen Gang stärker beeinflussen, als dir bewusst ist. Manche Schuhe schränken die Bewegung des Fußes ein – etwa, weil sie den Zehen keinen Platz lassen oder den Kontakt zum Boden so stark dämpfen, dass das Gefühl dafür verloren geht.
Barfußschuhe ermöglichen dagegen, dass der Fuß natürlicher arbeiten kann. Wichtig ist, dass die Schuhe:
- die Form des Fußes respektieren
- den Zehen ausreichend Platz bieten
- natürliche Bewegung zulassen
Bei Aylla glauben wir, dass jeder Barfußschuhe mindestens einmal im Leben ausprobieren sollte.


