Was alles passieren muss, bevor ein neuer Schuh entsteht
Im Onlineshop siehst du den fertigen Schuh. Du wählst Farbe und Größe aus und schon wenige Tage später kannst du damit losziehen. Doch bevor ein neues Modell so weit ist, liegen Monate voller Arbeit, Skizzen, Muster, Tests und Anpassungen hinter ihm.
Wie entsteht eigentlich ein neues Modell? Wir haben unser Entwicklungsteam gefragt und gemeinsam den Weg von der ersten Idee bis zum serienreifen Schuh verfolgt.
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Wo beginnt eigentlich die Geschichte eines neuen Schuhs?
Sie beginnt, wenn die Arbeit an einer neuen Kollektion startet. Übrigens ist das manchmal auch der Zeitpunkt, an dem einige Modelle auslaufen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, bei dem Altes Platz für Neues macht.
Impulse für ein neues Modell oder Anpassungen an einem bestehenden kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen. Von uns aus der Entwicklung, vom Marketing und seinen Daten, indirekt von unseren Partnern und Kunden oder von anderen Kollegen bei Aylla.
Aus dieser Flut an Impulsen schaffen es diejenigen in die Entwicklung, die für uns als Designer im Kontext der jeweiligen Kollektion und des gesamten Markenportfolios sinnvoll sind – vielleicht fehlt uns bisher ein bestimmter Schuhtyp – und die gleichzeitig auch aus Sicht von Marketing und Sales Sinn ergeben. Gemeinsam über verschiedene Teams hinweg zu entscheiden, welche neuen Schuhe wir produzieren werden, ist ein großer Moment.
Wie wird aus der ersten Idee das erste echte Muster?
Sobald die Anforderungen an das neue Modell feststehen, beginnt wahrscheinlich die kreativste Phase des gesamten Entwicklungsprozesses. Wir skizzieren, beurteilen verschiedene Ideen, Entwürfe und Varianten und wählen Materialien, Farbpalette und weitere Elemente aus.
Beim Skizzieren setzen wir möglichst auf den traditionellen, analogen Weg statt auf digitale Tools. Mit Bleistift auf Papier. Wir glauben, dass in einer digitalen Umgebung bestimmte verborgene kreative Prozesse verloren gehen können. Deshalb digitalisieren wir erst die finalen oder fast finalen Zeichnungen.
In den nächsten Schritten erstellen wir häufig KI-Visualisierungen. So können wir uns unsere Ideen besser vorstellen und gleichzeitig die aufwendige und kostspielige Herstellung von Prototypen reduzieren.
Das Ergebnis dieser Phase ist eine digitale Datei, die zeigt, wie der Schuh aussehen soll, und seine Materialien, Konstruktion und weitere Details festlegt. Diese Datei schicken wir an unsere Produktion in Portugal, die danach das erste Muster anfertigt.
Was muss bei der Entwicklung eines Schuhs alles zusammenspielen?
Wir beschäftigen uns mit Schnitt, Materialien, Konstruktion, Farben … Die Sohle sollte mit dem Obermaterial im Gleichgewicht sein. Alles muss gut zusammenspielen. Bei Schuhen kann selbst ein scheinbar kleines Detail großen Einfluss auf etwas so Wichtiges wie den Tragekomfort haben.
Im größeren Zusammenhang überlegen wir außerdem, wie das neue Modell zu unseren bestehenden Modellen passt. Einen funktionalen und schönen Schuh zu entwickeln, der hochwertig, preislich attraktiv, in Serie produzierbar und gleichzeitig wettbewerbsfähig ist, ist ein kleines Wunder, an dem viele Menschen und Entscheidungen beteiligt sind.
Was passiert, wenn das erste Muster eintrifft?
Beim ersten Muster gibt es in der Regel am meisten zu tun und anzupassen. Wir vergleichen es einerseits mit den Vorgaben, die unsere Produktion von uns erhalten hat, und andererseits mit unseren Erfahrungen damit, was bei einem Schuh funktioniert und was nicht.
Manche Dinge sehen wir sofort, andere erst nach kurzem Tragen und wieder andere erst nach längeren Tests. Die Anpassungen lassen sich grob in rein ästhetische und funktionale Änderungen unterteilen. Bei den ästhetischen verändern wir zum Beispiel bestimmte Formen. Die funktionalen Anpassungen sollen den Komfort, die Alltagstauglichkeit oder auch die Haltbarkeit des Schuhs verbessern. So können wir zum Beispiel die Polsterung der Zunge anpassen oder eine Schlaufe vergrößern.
Wir fotografieren den Schuh, halten die gewünschten Änderungen fest und bestellen ein neues Muster. Diesen Prozess wiederholen wir mehrmals, bis wir zufrieden sind.
Wie stark verändert sich ein Schuh während der Entwicklung?
Meistens nicht grundlegend. Einige Details können sich verändern, aber das Gesamtkonzept und die DNA des Schuhs bleiben normalerweise vom Entwurf bis zur Serienproduktion erhalten.
Wie lange dauert die gesamte Entwicklung?
Von der Recherche bis zum sogenannten Bestätigungsmuster – also dem fertigen Schuh, der anschließend als Vorlage für die Serienproduktion dient – vergehen ungefähr sechs Monate.
Natürlich hängt das von der Komplexität des Projekts ab. Ein Facelift eines bestehenden Modells dauert weniger lang, eine komplette Neuentwicklung inklusive neuer Sohle kann mehr Zeit in Anspruch nehmen. Am meisten Zeit beanspruchen die Mustererstellung und das Testen der Schuhe.
Wie sah dieser Weg beim neuen SUNI Trail High aus, den du schon bald tragen kannst?
Der SUNI Trail High entstand aus dem Bedarf nach einem lederfreien Barfuß-Wanderschuh auf unserem neuen Leisten. Es war eines der größeren Projekte, bei denen für ein neues Modell auch eine neue Sohle entworfen und entwickelt wird – in diesem Fall unsere neue Neo Grip Outdoor-Sohle.
Dabei halfen uns unsere Erfahrungen und das Feedback zu unseren MITU Wanderschuhen aus Leder. Auf der anderen Seite hatten wir noch keine Erfahrung mit einem Textil, das anspruchsvollen Outdoor-Bedingungen standhält und gleichzeitig möglichst atmungsaktiv bleibt.
Wir beschäftigten uns auch mit der Höhe des Schuhs, damit er weder zu hoch noch zu niedrig ist. Oder zum Beispiel damit, dass sich die textile Faltenzunge im unteren Bereich nicht unnötig wellt.
Und das Ergebnis dieser Reise kannst du schon bald selbst sehen. Der SUNI Trail High kommt nämlich noch diesen Herbst in unseren Onlineshop.

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